Verfasst von: WieMan | 28. August, 2008

MCEV – Market Consistent Embedded Value

Einleitung

Die Diskussion einer wertorientierten Steuerung beginnt oft mit der Auswahl und Definition von wertorientierten Kennzahlen. In der Fertigungsindustrie und im Dienstleistungssektor hat sich hier seit Jahren der Economic Value Added – EVA etabliert. Grundgedanke ist, beim Betrachten eines Berichtszeitraumes nicht mehr Kennzahlen der Vergangenheit (Umsatz, Gewinn, Marktanteil) zu betrachten, sondern den geschaffenen Wert mit Blick in die Zukunft zu beziffern. Dazu werden die erwarteten Zahlungsströme der Zukunft (aus Sicht der Aktionäre) auf den Berichtszeitpunkt abgezinst und so gezeigt, welchen Wert das Unternehmen in der betrachteten Periode erwirtschaftet hat.

Als Ende der 90er Jahre die Versicherungswirtschaft begann, wertorientierte Konzepte zu implementieren, zeigte sich, dass EVA oder Ableitungen wie RORAC – Return on Risk Adjusted Capital zwar in der Sachversicherung nützlich waren. Die geschaffenen Werte der viel längerfristigen Lebensversicherung konnten mit einem EVA jedoch nur ungenügend abgebildet werden. Mit dem Embedded Value – EV wurde Anfang des Jahrhunderts dann ein Konzept entwickelt, die geschaffenen Werte im Lebensversicherungsgeschäft abzubilden. Im Mai 2004 veröffentlichte dann eine Gruppe von CFOs führender europäischer Versicherer, das CFO Forum Prinzipien des sog. EEV – European Embedded Value. Mit dem Ziel der Transparenz und Vergleichbarkeit untereinander wurden hier die Grundlagen einer standardisierten Kennzahl gelegt.

Auch der EEV sollte jedoch nur ein Zwischenschritt sein. Basierend auf den Erfahrungen mit dem EEV hat das CFO Forum im Juni 2008 nun die Prinzipien des MCEV – Market Consistent Embedded Value veröffentlicht.

Das CFO Forum definiert den MCEV als „a shareholder’s perspective on value: the present value of future cash flows available to the shareholder, adjusted for the risks of those cash flows“. Auf dieser Detailebene sieht man die Gemeinsamkeit mit der oben genannten Definition des EVA. Genauer betrachtet ist der MCEV jedoch ungleich spezifischer ausgestaltet und genauer definiert, um die Besonderheiten des Lebensversicherungsgeschäfts abzubilden.

Verbesserungen und Veränderungen gegenüber dem EEV

Im Vergleich zum EEV soll ein höheres Maß an Einheitlichkeit geschaffen werden. Ausserdem werden Vorgehensmethoden deutlich detaillierter beschrieben, um Abweichungen zu vermeiden und die Vergleichbarkeit von Unternehmen zu Unternehmen zu erhöhen. Spezifisch wird ein konsistentes Rahmenwerk zur Risikobewertung und -bepreisung gefordert – Dreh- und Angelpunkt der Integration der verschiedenen Dimensionen der integrierten Versicherungssteuerung. Zusätzlich werden die Veröffentlichungspflichten ausgeweitet, spezifiziert und um ein verpflichtendes externes Review erweitert.

Inhaltlich ist die Marktkonsistenz natürlich die augenscheinlichste Veränderung. Diese wird erreicht durch risikoneutrale Annahmen was erwartete Kapitalerträge und die Diskontierungsmethodik angeht. Ausserdem wird die Swap-Kurve als risikoneutrale Zinsstruktur eingeführt.

Ausserdem fällt auf, dass mit den Cost of Non-Hedgeable Risk eine neue Größe in den MCEV einfließt, welche vorher nur implizit beachtet wurde. Hierbei werden explizit Risiken aus der Versicherungstechnik und Operationale Risiken adressiert, die nicht hedgebar sind.

Abbildung 1: Der MCEV im Vergleich zu Net Worth und Value of Future Profits – eigene Darstellung in Anlehnung an Launch Presentation des CFO Forums

Gültigkeit und Abdeckung des MCEV

Aus Sicht des CFO Forums und seiner Mitgliedsunternehmen ist der MCEV die einzig gültige Veröffentlichungsart eines Embedded Value ab dem 31.12.2009 und muss im Sinne der Objektivität ein externes, unabhängiges Review durchlaufen.

Der MCEV deckt dabei das gesamte Lebensversicherungsgeschäft eines betrachteten Unternehmens ab. Als Neuerung gegenüber dem EEV wird jedoch auch eine Konsolidierung auf Gruppenebene umrissen, indem Rückversicherungs- und Sach-Geschäft über deren IFRS-Eigenkapital in einen Group-MCEV einfließen.

Abbildung 2: Der Group MCEV – eigene Abbildung

Die Prinzipien des MCEV

Das CFO Forum hat für die Beschreibung des MCEV eine Gliederung in 17 Prinzipien gewählt, welche an dieser Stelle kurz umrissen werden sollen. Für detaillierte Informationen empfehle ich den u.g. Artikel von Wagner/Reich oder direkt die Primärquellen beim CFO Forum.

# Überschrift Inhalt
1 Introduction Definition und Verbindlichkeit für Mitgliedsunternehmen
2 Coverage Der MCEV muss langfristiges Lebensversicherungsgeschäft abdecken, kann auch kurzfristiges Lebensversicherungsgeschäft, Krankenversicherung und Mutual funds beinhalten.
3 MCEV Definitions Der durch den MCEV ausgedrückte Wert ist der aktuelle Wert der für Aktionäre verfügbaren Einkünfte aus dem betrachteten Geschäft nach adäquatem Abzug von benötigtem Risikokapital.Der MCEV ist die Summe aus

  • Free Surplus (Prinzip 4)
  • Required Capital (Pinzip 5)
  • Value of in-force covered business (Prinzip 6)

Der Wert eines ggf. erwarteten, zukünftigen Neugeschäfts ist explizit nicht Bestandteil des MCEV.

4 Free SurplusFS Summe der dem betrachteten Geschäft zugeordneten Aktiva, die jedoch nicht zwingend benötigt werden im Sinne des „Required Capital“.
5 Required CapitalRC Summe der Aktiva, die dem betrachteten Geschäft zugeordnet sind und benötigt werden, um die übernommenen Verpflichtungen abzudecken. Dieses Kapital kann nicht uneingeschränkt an die Aktionäre vergeben werden.
6 Value of in-force covered businessVIF Der Bestandswert errechnet sich aus dem Zeitwert der zukünftigen Gewinne (PVFP) abzüglich dem Zeitwert der Optionen und Garantien (TVFOG), Kapitalkosten (FC) und Kosten der nicht-hedgebaren Risiken (CoRNHR).
7 Financial options and guaranteesTVFOG Der Zeitwert finanzieller Optionen und Garantien muss stochastisch errechnet werden, um einen Geldwert für diese zu erwartenden Cashflows zu reservieren.
8 Frictional costs of required capitalFC Kosten, die durch Besteuerung und Kapitalanlagekosten entstehen
9 Cost of residual non-hedgeable risksCoRNHR In dieser Größe werden die Kosten bzw. allokierten Aktiva für nicht-hedgebare Risiken abgebildet, die nicht bereits in FC oder PVFP beinhaltet sind.
10 New business and renewals Definition von Neugeschäft, Abgrenzung von bestehendem Geschäft, detaillierte Beschreibung, wie der Beitrag des Neugeschäfts in den MCEV berechnet wird
11 Assessment of appropriate non-economic projection assumptions Prinzipien zur Ermittlung von nicht-ökonomischen Parametern: Demographie, Ausgaben, Besteuerung
12 Economic assumptions: Inflation and Smoothing Prinzipien zur Festlegung der ökonomischen Modellparameter für Inflation und Glättungen
13 Economic assumptions: Investment returns and discount rates Prinzipien zur Festlegung der ökonomischen Modellparameter für kapitalmarkt-konsistente Diskontierungssätze
14 Economic assumptions: Reference rates Definition der Sawp-Kurve als Diskontierungsreferenz
15 Economic assumptions: Stochastic models Prinzipien zur Modellierung
16 Economic assumptions: Participating business Prinzipien zur Abbildung von überschussberechtigtem Geschäft
17 Disclosures Definition der verpflichtenden Zusatzangaben
Tabelle 1: Die Prinzipien des MCEV –
eigene Darstellung in Anlehnung an Wagner/Reich

Fasst man die Prinzipien nun grafisch zusammen, so kann man den MCEV wie in Abbildung 2 errechnen:

mcev4
Abbildung 3: Zusammensetzung des MCEV, eigene Abbildung

Fazit aus Sicht der integrierten Versicherungssteuerung

Im Leben-Berich ist der MCEV sicherlich ein Herzstück einer integrierten Steuerung. Die Definition eines konsistenten Systems zur Risikobepreisung ist hier der Brückenschlag zwischen Risikomanagement und Performance Management und ein großer Schritt auf dem Weg zur integrierten Steuerung auf Basis von Risiko- und Wertbeitrag.

Der Group-MCEV ist ein Anfang auf dem Weg zu einer integrierten Konzernsteuerung über verschiedene Sparten. Das eher holzschnittartige Einbeziehen des Rückversicherungs- und Sachgeschäfts über deren IFRS-Eigenkapital jedoch wird in der Zukunft noch zu untersuchen sein. Wünschenswert wäre eher, einen Weg zufinden, den MCEV aus Leben mit ebenbürtigen wertorientierten Kennzahlen aus den anderen Sparten zu konsolidieren. Diese Kennzahlen wiederum müssen zwingend auf der selben methodischen und inhaltlichen Basis errechnet werden.

In den einzelnen Prinzipien findet sich der Anspruch wieder, integriert steuern zu wollen. Im Prinzip 12 „Economic assumptions“ wird so beispielsweise verlangt, dass intern konsistente Annahmen die Basis für die Modelle bilden. Liest man dies in Verbindung mit der Aussage in der Veröffentlichungspräsentation vom CFO Forum, dass der beim MCEV gewählte Ansatz auch in den Bereichen IFRS 4 und Solvency II zum Tragen kommen sollte, so wird hier die unternehmensweite Integration der ökonomischen Modelle gefordert. Eine Forderung die in der Theorie trivial scheinen mag, in der Praxis jedoch noch viel Aufwand nötig machen wird.

Die Einbeziehung von stochastischen Modellen schlägt in die gleiche Kerbe wie Solvency II, sodass hier ein weiterer Vorteil aus einem internen Risikomodell erwächst.

Quellen und Verweise:

  • Wagner, Thorsten / Reich, Hanno: „Market Consistent Embedded Value – Ist diesmal der große Wurf gelungen?“ in Versicherungswirtschaft, Heft 16/2008, S. 1356 – 1360
  • Informationsportal des CFO Forums zum MCEV – Principles, Basis for Conclusion und Launch Presentation

Autor

Holger Heinze ist

Berater bei Cassini Consulting in Frankfurt.

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Responses

  1. In Abbildung 3 ist ein kleiner Fehler unterlaufen:
    Der MCEV ergibt sich aus dem VIF zuzüglich des RC und des Free Surplus.
    mfg

  2. @Master L: Genau das dachte ich auch. Außerdem ist VIF die Summe aus den vier oben genannten Größen (PVFP, TVOG, FCoC, CNHR) und nicht die Differenz zwischen PVFP und TVOG+FCoC+CNHR.

  3. Lieber Master L, Biggi,
    vielen Dank für das Feedback. Die Fehler sind in der Grafik behoben.
    Die Zusammensetzung des VIF ist eher ein Vorzeichenproblem – natürlich kann ich die Negativen Beträge addieren und das wäre auch mathematisch korrekt – für die Grafik finde ich es intuitiver, Kosten abzuziehen statt zu addieren.
    Viele Grüße,
    Holger Heinze

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