Verfasst von: WieMan | 30. Dezember, 2008

Ende naiver Markowitz-Diversifikation

In seinem Blog „Den Nutzen von Ratings erschließen“ hat Dr. Oliver Everling einen schönen Post mit dem Titel „Ende naiver Markowitz-Diversifikation“ gepostet. Vor dem Hintergrund der Finanzmarktkrise nimmt er sich dabei kritisch die „realitätsfernen Prämissen der Portfoliotheorie“ vor.

Verfasst von: WieMan | 13. November, 2008

Update: Stärkere Regulierung von Rating-Agenturen

Die Europäische Kommission hat als Teil eines Maßnahmenpakets nun auch einen Vorschlag eingebracht, der klar definiert, wie Ratingagenturen in Zukunft reguliert werden sollten. Hauptaugenmerk soll dabei auf den Faktoren liegen, die sich im Nachhinein als Auslöser bzw. unterstützende Faktoren der Finanzmarktkrise gezeigt haben:

New rules include the following:

  • Credit rating agencies may not provide advisory services.
  • They will not be allowed to rate financial instruments if they do not have sufficient quality information to base their ratings on
  • They must disclose the models, methodologies and key assumptions on which they base their ratings
  • They will be obliged to publish an annual transparency report
  • They will have to create an internal function to review the quality of their ratings
  • They should have at least three independent directors on their boards whose remuneration cannot depend on the business performance of the rating agency. They will be appointed for a single term of office which can be no longer than five years. They can only be dismissed in case of professional misconduct. At least one of them should be an expert in securitization and structured finance.

Wenn man sich die Krise im Ablauf betrachtet (chronologischer Ablauf bei der Wirtschaftswoche) so ist einer der Hauptbrüche auf dem Weg von hoher Rendite für hohe Risiken zu hoher Rendite bei keinen bewussten Risiken das Rating der Finanzinstrumente und die Interpretation des Ratings. Eine stärkere Aufsicht über die Rating-Agenturen wird hier ein Stück weit helfen. Für die Reputation des Rating-Systems (insbesondere ausserhalb der eingeweihten Kreise) ist hier wichtig, den Hauptinteressenkonflikt (der Bewertete zahlt den Bewerter) transparent aufzulösen.

Allerdings muss gleichzeitig sichergestellt werden, dass sich die Einkäufer der Instrumente nicht mehr mit Hilfe der Ratingagenturen dumm stellen können. Für die Versicherungswirtschaft kann dies über die kommende Solvency II-Aufsicht sichergestellt werden. Für Banken und andere Marktteilnehmen müssen hier gesonderte Maßnahmen greifen.

Quellen und Verweise

Verfasst von: WieMan | 3. November, 2008

Der Risikomanager der Zukunft

Durch die Finanzmarktkrise hat sich eindeutig gezeigt, dass das Risikomanagement von Banken, Versicherungen und anderen Unternehmen sich verändern muss, weg von einer siloartigen Betrachtung von Einzeldimensionen hin zu einer integrierten Sicht über organisatorische Grenzen und Prozessbrüche hinweg.

Im gleichen Schritt müssen sich natürlich der Arbeitsauftrag und damit das Anforderungsprofil der Risikomanager verändern. Wo in den letzten Jahren Mathematiker mit quantitativen Methoden die Risiken errechneten und am anderen Ende des Seils die Betriebswirte mit den Finanzen arbeiteten muss nun ein neuer Schlag interdisziplinärer Risikomanager das Staffelholz übernehmen.

Risikomanagement kann nur integriert Erfolg haben, Risikomanager können diese integrierte Steuerung nur voran treiben, wenn sie Finanzen, Risiken und Chancen verstehen, sich mit quantitativen Methoden so wohl fühlen wie mit qualitativen Entscheidungen und die Verbindungen zwischen den aktuell getrennten Dimensionen durch starke Kommunikationsskills implementieren können.

Gleichzeitig zeigt sich trotz der Krise an den Märkten eine Fortsetzung der Entwicklung am Arbeitsmarkt für Risikomanager und risikonahe Berufe: Das Angebot kann bei Weitem die Nachfrage nicht befriedigen, Gehälter und andere Anreize für Risikomanager steigen.

Quellen und Verweise

In einer Studie der Economist Intelligence Unit im Auftrag des SAS Institutes wurden 316 Executives im Financial Services Sector befragt. Im Ergebnis zeigt sich, dass die Notwendigkeit einer horizontalen und vertikalen Integration des Risikomanagements erkannt wurde, die Umsetzung jedoch oft noch hinterherhinkt.

The credit crisis highlighted failures in risk management at financial services firms and, in our survey, 59% of respondents say that the credit crisis has forced them to scrutinise their risk management practices in greater detail. More often than not, this is leading to a growing emphasis on enterprise-wide risk management. Putting emphasis into practice, however, still remains a challenge as 71%  of surveyed firms  that have an ERM strategy in place say that they have not yet  fully implemented it.

Von den befragten Unternehmen konnten nut 18% angeben, dass die Risikostrategie über alle Abteilungen hinweg angewendet wird. Auch ist hervorzuheben, dass mittlerweile neben der Vermeidung von direkten finanziellen Verlusten die Reputationsrisiken in Verbindung mit integriertem Risikomanagement gesehen werden. Während der Report (gesponsort vom SAS Institut) auch darauf eingeht, dass die Integration der Datenbasis eine große Herausforderung darstellt, wird mittlerweile angenehmerweise auch dargestellt, dass das „Human Judgement“ nicht fehlen darf. Also doch kein quantitativer Autopilot.

Die Studie ist bei SAS in voller Länger einzusehen.

Quellen und Verweise

Verfasst von: WieMan | 21. Oktober, 2008

CEIOPS: Vorläufige Ergebnisse der QIS4-Studie liegen vor

In einer Presseerklärung von heute berichtet CEIOPS, dass die vorläufigen Ergebnisse der QIS4-Studie zu Solvency II vorliegen und den Stakeholdern präsentiert wurden. Die finalen Resultate werden am 19.11.2008 in Frankfurt am Main präsentiert.

Mit über 1400 Unternehmen hat sich das Feld der Teilnehmer vergrößert (zum Vergleich: an QIS3 nahmen ca. 1000 Unternehmen teil), positiv vermerkt CEIOPS dass besonders kleine (Rück-)Versicherer vermehrt an QIS4 teilnahmen.

Bei den Bilanzen der Teilnehmer vermerkt CEIOPS hat sich gezeigt, dass sich unter dem Strich nicht viel ändert. Innerhalb der Bilanz nehmen die Posten für versicherungstechnische Verbindlichkeiten ab, während verfügbares Kapital und im Gegenzug Solvenzkapitalanforderungen steigen. Dies bildet, so CEIOPS in der Presseerklärung, das Ziel von Solvency II ab, von einer impliziten zu einer expliziten Solvenzaufsicht zu gelangen.

Ausgehend von Wünschen der Europäischen Kommission stellt CEIOPS für den finalen QIS4-Report detaillierte Informationen zu folgenden Themen in Aussicht:

  • Vereinfachungen der Berechnung von Solvenzanforderungen und versicherungstechnischen Rückstellungen
  • Der quantitative Impact der neuen Solvenzforderungen auf Versicherungskonzerne
  • Die Vergleichbarkeit zwischen Standardmodell und Internem Modell
  • Design und Kalibrierung des MCR

Quellen und Verweise

Verfasst von: WieMan | 6. Oktober, 2008

Integriertes Bilanzstrukturmanagement

In Heft 18 / 2008 der Versicherungswirtschaft findet sich ein zwar kurzer aber sehr interessanter Artikel aus Sicht der integrierten Versicherungssteuerung mit dem Titel „Hintergrundrisiken im Vordergrund – Integriertes Bilanzstrukturmanagement als Antwort auf die MaRisk“ von Tobias Basse, Meik Friedrich, Michaela Heßmert und J.-Matthias von der Schulenburg (S. 1558 – 1560).

Die MaRisk werden dabei nur als Aufhänger genommen, eine integrierte Risikosteuerung zu fordern. Dabei geht es in diesem Falle nicht vornehmlich um eine methodische Integration im Sinne von integrierten Werkzeugen und einer einheitlichen Methodologie (was ich zugegebenermaßen auch im Rahmen dieses Blogs gerne fordere) sondern um eine inhaltliche Harmonisierung der aktiven Bilanzsteuerung. Zwar werden Risikostrategie und einheitliche Prozessorganisation erwähnt, m.E. ist aber der Knackpunkt des Beitrags die Harmonisierung von Aktiv- und Passivseite. Hierzu werden die Zinsänderungsrisiken auf der Passivseite der Lebensversicherer mit einem Rentenportolio mit hoher Duration auf der Aktivseite neutralisiert.

In der Theorie klingt das klar und einfach (wenn man den Zusammenhang erstmal wie im Artikel beschrieben z.B. per Regressionsanalyse herstellt und weiterhin verfeinert). In der Praxis sehen wir, wie schwierig diese inhaltliche Integration über organisatorische und Spartengrenzen hinweg zu bewerkstelligen ist. Dort, wo in Konzernen das Investment- und Asset-Management zentralisiert gehandhabt wird während die Liability-Seite in den Sparten- und Landesgesellschaften verteilt verwaltet wird, braucht es mehr als die „Implementierung“ eines ALM- oder DFA-Systems, um diese Integrationsarbeit zu leisten.

Verfasst von: WieMan | 5. Oktober, 2008

Die ersten 1000 Besucher

Vor wenigen Minuten besuchte der 1000. Besucher das Versicherungssteuerungsblog. Das erste kleine Jubiläum. Es hat sich gezeigt, dass WordPress ganze Arbeit leistet, was Marketing im Sinne von Suchmaschinen-Optimierung und Tag-Platzierung angeht.

Seit das Blog gestartet wurde ist einiges passiert. Vor allem ausserhalb des Blogs. Banken gingen bankrott, Rettungspakete wurden geschnürt und scheiterten und wurden neu geschnürt. Versicherer kamen ins torkeln und wurden verstaatlicht. Ich habe mich entschieden, an der aktuellen Blog- und Newscoverage der Finanzkrise nicht teilzunehmen. Was aktuelle Informationen angeht, gibt es für die Leser bessere und aktuellere Quellen. Dieses Blog soll tendenziell eher mittelfristig relevante Artikel beinhalten.

Persönlich ist noch hinzuzufügen, dass wir im Urlaub wieder nette Bilder geschossen haben, die dann eventuell im Header Verwendung finden können. (Aktuell: Amado Beach im Süden Portugals, (c) Kerstin Wagner)

Verfasst von: WieMan | 3. Oktober, 2008

Solvency II wird qualitativ

Vermehrte Forderung nach Verschiebung des Fokus

In der aktuellen Diskussion um Solvency II wird an vielen Stellen von den Autoren und Experten eine Verschiebung des Fokus in Richtung qualitativer Instrumente und Risikosichten gefordert.

In einem Interview mit Frank Romeike, Chefredakteur RISIKO MANAGER, kritisiert beispielsweise Joachim Oechslin, CRO der Münchner Rück die Konzentration auf die quantitativen Modelle und Instrumente im Risikomanagement bzw. deren Benutzung:

„Offenbar wurden in gewissen Fällen die Risikomess-Instrumente, wie beispielsweise der Value-at-Risk, vor allem anhand der historischen Preisvolatilitäten kalibriert. Die ausschliessliche Verwendung historischer Daten als Grundlage für die Abschätzung zukünftiger Ereignisse kann dazu führen, dass nicht alle potenziellen Ereignisse erfasst werden, insbesondere solche, die ihrer Natur nach extrem sind. Das ist meines Erachtens aber nicht ein Problem des Value-at-Risk-Konzeptes, sondern viel mehr seiner Anwendung. „1

In der Versicherungswirtschaft 17 vom 1.9.2008 vertritt der spanische Experte Dr. Jesús Huerte de Soto eine ähnliche Ansicht, jedoch ungleich schärfer und umfassender in seinem Artikel „Solvency II – ein Fataler Irrtum“:

„Die theoretische Basis von Solvency II ist die neoklassische Finanzmarkttheorie, die Mitte des letzten Jahrhunderts entstand und aufgrund ihres statischen Charakters und formalen Reduktionismus sowie ihren unrealistischen und fehlerhaften Annahmen bezüglich der Funktionsweise von Märkten in Misskredit fiel. […] Die Verteilungswahrscheinlichkeiten und Szenarien, die man aufgrund vergangenheitsbezogener Daten erhalten oder sich vorstellen kann, sind keine Hilfe, wenn man sie in eine ungewisse Zukunft einmaliger unternehmerischer, nicht homogener Ereignisse extrapoliert … „2

Mit einer Säule muss man ja anfangen (?)

Meines Erarchtens liegt beiden Aussagen die selbe Beobachtung bzw. der selbe Effekt zugrunde. Das Risikomanagement in der Versicherungswirtschaft ist aktuell in der Veränderung und kann nicht mit den Maßstäben betrachtet werden, als sei es final. Dies gilt für die Vorgaben der Aufseher und des Marktes genauso wie für die konkreten Umsetzungen in den Versicherungsunternehmen.

Abbildung 1: Die 3 Säulen von Solvency II

Säule 3 wird (nicht komplett, aber zu einem großen Teil) von den IFRS-Vorgaben abgedeckt. Diese sind versicherungsunspezifisch detailliert ausgestaltet und umgesetzt. Versicherungsspezifisch sind die IFRS 4 Standards noch eine große Baustelle, hier wird nach den Standards der sog. Phase 1 quasi unverändert bilanziert und berichtet. Zeitlich gesehen ist die Arbeit – Umsetzung wie auch Definition der Vorgaben – hier jedoch schon früh gestartet und an einem soliden Zwischenstand angelangt.

Säule 1 ist aktuell was die Vorgaben betrifft zwar schon absehbar, jedoch noch in der Bearbeitung. Mit Hilfe der QIS-Studien haben die Teilnehmer schon ein gutes Gefühl dafür, was die Aufsicht im Bereich der quantiativen Überprüfungen verlangen wird und wie gerechnet wird – bzw. werden könnte. Gleichzeitig werden die Studien vom Aufseher genutzt, um die Einzelheiten noch zu kalibrieren. Durch den langen Vorlauf auf der Zeitachse (die Dauer von Entwurf, Design, Entwicklung, Kalibrierung und Zertifizierug eines internen Risikomodells machte es quasi nötig schon vor 2 Jahren zu starten) sind die Arbeiten im quantiativen Bereich nun schon weit fortgeschritten, u.a. natürlich auch da hier gerade bei den großen Versicherern nicht auf der grünen Wiese gestartet wurde. So verheißungsvoll die Ergebnisse in diesem Gebiet nun isoliert betrachtet sein mögen, aus Sicht von Solvency II und aus Sicht einer integrierten Versicherungssteuerung sind die aktuellen Ergebnisse hier aus meiner Sicht nur als Zwischenschritt zu verstehen. Schliesslich fehlt noch …

Säule 2 ist im Vergleich der Nachzügler. Vor zwei Jahren wurde bei den Solvency II präsentationen gerne ein lapidares „und in Säule 2 werden die operationalen Risiken betrachtet und die Prozesse überprüft und dokumentiert“ erwähnt. Während einige Spezialthemen in Säule 2 vermeintlich isoliert zu betrachten sind, so wurde die Verbindung zur Säule 1 doch m.E. lange nicht mit der Priorität betrachtet, die nötig ist. Die oben zitierten Forderungen nach qualitativen Steuerungsinstrumenten bzw. die Kritik am blinden Folgen der quantiativen Modelle – basierend auf der Historie, extrapoliert in die Zukunft – sind Ausdruck der Notwendigkeit, die Säulen von Solvency II und damit die Dimensionen des Risikomanagements zu integrieren.

Würdigung aus Sicht der integrierten Versicherungssteuerung

Vielleicht ist es das eingebaute Mißverständnis des Säulenmodells, das dazu geführt hat, dass die Gebiete isoliert betrachtet werden. Bei großen Versicherern präsidiert ein Solvency II Projektleiter über Teilprojekte, die isoliert die Themen aus den Säulen bearbeiten: Im Aktuariat wird das interne Modell gebaut und kalibriert, in der Rechnungslegung werden die prudential Filter implementiert und ein anderes Team implementiert die Risikostrategie nach dem MaRisk. Dabei können die einzelnen Ergebnisse der Säulen niemals dem Anspruch der integrierten Steuerung – und hoffentlich auch nicht dem Anspruch von Solvency II wie er von der Bafin vertreten werden wird – gerecht werden.

Keine Entscheidung im Pricing, Underwriting, Marketing (Stichwort Reputationsrisiken!) oder Investment Management darf auf der Basis eines quantitativen Modells oder einer qualitativen Maßgabe passieren. Nur beide Dimensionen miteinander integriert können hier eine Basis bilden. Diese Integrationsarbeit leistet im Idealfall der Mensch, der beide Informationen manuell miteinander Integriert. Der Vorgang ist auch als Bauchgefühl bekannt.

Ich glaube es ist falsch, das beschriebene ‚Vorpreschen‘ in Säule 1 als eine Aussage zugunsten eines quantiativen Autopiloten zu werten. Gleichzeitig müssen die Versicherer jedoch auch aufpassen, sich mit dem eigenen internen Modell (oder einem erfolgreich implementierten Standardmodell) nicht zufrieden zu geben. Im Folgenden müssen die qualitativen Betrachtungen implementiert und integriert werden, sodass am Ende das ‚Bauchgefühl‘ der erfolgreichen Manager ein stückweit formalisiert werden kann.

Die Integrationsleistung des informierten Entscheiders komplett zu formalisieren und zu automatisieren wird wohl frühestens dann gelingen, wenn der erste Computer geschaffen wurde, der mit einem menschlichen Gehirn mithalten kann.

Quellen und Verweise

Autoren

Holger Heinze ist Senior Consultant
für u.a. Versicherungssteuerung
bei Cassini Consulting in Frankfurt.

Verfasst von: WieMan | 28. August, 2008

MCEV – Market Consistent Embedded Value

Einleitung

Die Diskussion einer wertorientierten Steuerung beginnt oft mit der Auswahl und Definition von wertorientierten Kennzahlen. In der Fertigungsindustrie und im Dienstleistungssektor hat sich hier seit Jahren der Economic Value Added – EVA etabliert. Grundgedanke ist, beim Betrachten eines Berichtszeitraumes nicht mehr Kennzahlen der Vergangenheit (Umsatz, Gewinn, Marktanteil) zu betrachten, sondern den geschaffenen Wert mit Blick in die Zukunft zu beziffern. Dazu werden die erwarteten Zahlungsströme der Zukunft (aus Sicht der Aktionäre) auf den Berichtszeitpunkt abgezinst und so gezeigt, welchen Wert das Unternehmen in der betrachteten Periode erwirtschaftet hat.

Als Ende der 90er Jahre die Versicherungswirtschaft begann, wertorientierte Konzepte zu implementieren, zeigte sich, dass EVA oder Ableitungen wie RORAC – Return on Risk Adjusted Capital zwar in der Sachversicherung nützlich waren. Die geschaffenen Werte der viel längerfristigen Lebensversicherung konnten mit einem EVA jedoch nur ungenügend abgebildet werden. Mit dem Embedded Value – EV wurde Anfang des Jahrhunderts dann ein Konzept entwickelt, die geschaffenen Werte im Lebensversicherungsgeschäft abzubilden. Im Mai 2004 veröffentlichte dann eine Gruppe von CFOs führender europäischer Versicherer, das CFO Forum Prinzipien des sog. EEV – European Embedded Value. Mit dem Ziel der Transparenz und Vergleichbarkeit untereinander wurden hier die Grundlagen einer standardisierten Kennzahl gelegt.

Auch der EEV sollte jedoch nur ein Zwischenschritt sein. Basierend auf den Erfahrungen mit dem EEV hat das CFO Forum im Juni 2008 nun die Prinzipien des MCEV – Market Consistent Embedded Value veröffentlicht.

Das CFO Forum definiert den MCEV als „a shareholder’s perspective on value: the present value of future cash flows available to the shareholder, adjusted for the risks of those cash flows“. Auf dieser Detailebene sieht man die Gemeinsamkeit mit der oben genannten Definition des EVA. Genauer betrachtet ist der MCEV jedoch ungleich spezifischer ausgestaltet und genauer definiert, um die Besonderheiten des Lebensversicherungsgeschäfts abzubilden.

Verbesserungen und Veränderungen gegenüber dem EEV

Im Vergleich zum EEV soll ein höheres Maß an Einheitlichkeit geschaffen werden. Ausserdem werden Vorgehensmethoden deutlich detaillierter beschrieben, um Abweichungen zu vermeiden und die Vergleichbarkeit von Unternehmen zu Unternehmen zu erhöhen. Spezifisch wird ein konsistentes Rahmenwerk zur Risikobewertung und -bepreisung gefordert – Dreh- und Angelpunkt der Integration der verschiedenen Dimensionen der integrierten Versicherungssteuerung. Zusätzlich werden die Veröffentlichungspflichten ausgeweitet, spezifiziert und um ein verpflichtendes externes Review erweitert.

Inhaltlich ist die Marktkonsistenz natürlich die augenscheinlichste Veränderung. Diese wird erreicht durch risikoneutrale Annahmen was erwartete Kapitalerträge und die Diskontierungsmethodik angeht. Ausserdem wird die Swap-Kurve als risikoneutrale Zinsstruktur eingeführt.

Ausserdem fällt auf, dass mit den Cost of Non-Hedgeable Risk eine neue Größe in den MCEV einfließt, welche vorher nur implizit beachtet wurde. Hierbei werden explizit Risiken aus der Versicherungstechnik und Operationale Risiken adressiert, die nicht hedgebar sind.

Abbildung 1: Der MCEV im Vergleich zu Net Worth und Value of Future Profits – eigene Darstellung in Anlehnung an Launch Presentation des CFO Forums

Gültigkeit und Abdeckung des MCEV

Aus Sicht des CFO Forums und seiner Mitgliedsunternehmen ist der MCEV die einzig gültige Veröffentlichungsart eines Embedded Value ab dem 31.12.2009 und muss im Sinne der Objektivität ein externes, unabhängiges Review durchlaufen.

Der MCEV deckt dabei das gesamte Lebensversicherungsgeschäft eines betrachteten Unternehmens ab. Als Neuerung gegenüber dem EEV wird jedoch auch eine Konsolidierung auf Gruppenebene umrissen, indem Rückversicherungs- und Sach-Geschäft über deren IFRS-Eigenkapital in einen Group-MCEV einfließen.

Abbildung 2: Der Group MCEV – eigene Abbildung

Die Prinzipien des MCEV

Das CFO Forum hat für die Beschreibung des MCEV eine Gliederung in 17 Prinzipien gewählt, welche an dieser Stelle kurz umrissen werden sollen. Für detaillierte Informationen empfehle ich den u.g. Artikel von Wagner/Reich oder direkt die Primärquellen beim CFO Forum.

# Überschrift Inhalt
1 Introduction Definition und Verbindlichkeit für Mitgliedsunternehmen
2 Coverage Der MCEV muss langfristiges Lebensversicherungsgeschäft abdecken, kann auch kurzfristiges Lebensversicherungsgeschäft, Krankenversicherung und Mutual funds beinhalten.
3 MCEV Definitions Der durch den MCEV ausgedrückte Wert ist der aktuelle Wert der für Aktionäre verfügbaren Einkünfte aus dem betrachteten Geschäft nach adäquatem Abzug von benötigtem Risikokapital.Der MCEV ist die Summe aus

  • Free Surplus (Prinzip 4)
  • Required Capital (Pinzip 5)
  • Value of in-force covered business (Prinzip 6)

Der Wert eines ggf. erwarteten, zukünftigen Neugeschäfts ist explizit nicht Bestandteil des MCEV.

4 Free SurplusFS Summe der dem betrachteten Geschäft zugeordneten Aktiva, die jedoch nicht zwingend benötigt werden im Sinne des „Required Capital“.
5 Required CapitalRC Summe der Aktiva, die dem betrachteten Geschäft zugeordnet sind und benötigt werden, um die übernommenen Verpflichtungen abzudecken. Dieses Kapital kann nicht uneingeschränkt an die Aktionäre vergeben werden.
6 Value of in-force covered businessVIF Der Bestandswert errechnet sich aus dem Zeitwert der zukünftigen Gewinne (PVFP) abzüglich dem Zeitwert der Optionen und Garantien (TVFOG), Kapitalkosten (FC) und Kosten der nicht-hedgebaren Risiken (CoRNHR).
7 Financial options and guaranteesTVFOG Der Zeitwert finanzieller Optionen und Garantien muss stochastisch errechnet werden, um einen Geldwert für diese zu erwartenden Cashflows zu reservieren.
8 Frictional costs of required capitalFC Kosten, die durch Besteuerung und Kapitalanlagekosten entstehen
9 Cost of residual non-hedgeable risksCoRNHR In dieser Größe werden die Kosten bzw. allokierten Aktiva für nicht-hedgebare Risiken abgebildet, die nicht bereits in FC oder PVFP beinhaltet sind.
10 New business and renewals Definition von Neugeschäft, Abgrenzung von bestehendem Geschäft, detaillierte Beschreibung, wie der Beitrag des Neugeschäfts in den MCEV berechnet wird
11 Assessment of appropriate non-economic projection assumptions Prinzipien zur Ermittlung von nicht-ökonomischen Parametern: Demographie, Ausgaben, Besteuerung
12 Economic assumptions: Inflation and Smoothing Prinzipien zur Festlegung der ökonomischen Modellparameter für Inflation und Glättungen
13 Economic assumptions: Investment returns and discount rates Prinzipien zur Festlegung der ökonomischen Modellparameter für kapitalmarkt-konsistente Diskontierungssätze
14 Economic assumptions: Reference rates Definition der Sawp-Kurve als Diskontierungsreferenz
15 Economic assumptions: Stochastic models Prinzipien zur Modellierung
16 Economic assumptions: Participating business Prinzipien zur Abbildung von überschussberechtigtem Geschäft
17 Disclosures Definition der verpflichtenden Zusatzangaben
Tabelle 1: Die Prinzipien des MCEV –
eigene Darstellung in Anlehnung an Wagner/Reich

Fasst man die Prinzipien nun grafisch zusammen, so kann man den MCEV wie in Abbildung 2 errechnen:

mcev4
Abbildung 3: Zusammensetzung des MCEV, eigene Abbildung

Fazit aus Sicht der integrierten Versicherungssteuerung

Im Leben-Berich ist der MCEV sicherlich ein Herzstück einer integrierten Steuerung. Die Definition eines konsistenten Systems zur Risikobepreisung ist hier der Brückenschlag zwischen Risikomanagement und Performance Management und ein großer Schritt auf dem Weg zur integrierten Steuerung auf Basis von Risiko- und Wertbeitrag.

Der Group-MCEV ist ein Anfang auf dem Weg zu einer integrierten Konzernsteuerung über verschiedene Sparten. Das eher holzschnittartige Einbeziehen des Rückversicherungs- und Sachgeschäfts über deren IFRS-Eigenkapital jedoch wird in der Zukunft noch zu untersuchen sein. Wünschenswert wäre eher, einen Weg zufinden, den MCEV aus Leben mit ebenbürtigen wertorientierten Kennzahlen aus den anderen Sparten zu konsolidieren. Diese Kennzahlen wiederum müssen zwingend auf der selben methodischen und inhaltlichen Basis errechnet werden.

In den einzelnen Prinzipien findet sich der Anspruch wieder, integriert steuern zu wollen. Im Prinzip 12 „Economic assumptions“ wird so beispielsweise verlangt, dass intern konsistente Annahmen die Basis für die Modelle bilden. Liest man dies in Verbindung mit der Aussage in der Veröffentlichungspräsentation vom CFO Forum, dass der beim MCEV gewählte Ansatz auch in den Bereichen IFRS 4 und Solvency II zum Tragen kommen sollte, so wird hier die unternehmensweite Integration der ökonomischen Modelle gefordert. Eine Forderung die in der Theorie trivial scheinen mag, in der Praxis jedoch noch viel Aufwand nötig machen wird.

Die Einbeziehung von stochastischen Modellen schlägt in die gleiche Kerbe wie Solvency II, sodass hier ein weiterer Vorteil aus einem internen Risikomodell erwächst.

Quellen und Verweise:

  • Wagner, Thorsten / Reich, Hanno: „Market Consistent Embedded Value – Ist diesmal der große Wurf gelungen?“ in Versicherungswirtschaft, Heft 16/2008, S. 1356 – 1360
  • Informationsportal des CFO Forums zum MCEV – Principles, Basis for Conclusion und Launch Presentation

Autor

Holger Heinze ist

Berater bei Cassini Consulting in Frankfurt.

Verfasst von: WieMan | 26. August, 2008

Update: MaRisk (VA)

Auf einen Blick

Kurzname: MaRisk (VA)

Volle Bezeichnung: Konsultation 8/2008 – Entwurf eines Rundschreibens – Aufsichtsrechtliche Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk VA)

Status:Liegt im Entwurf vor, Konsultationsanhörung fand am 20. Juni 2008 statt. Das finale Rundschreiben wird für Oktober erwartet.

Zeitpunkt des Inkrafttretens: Nach aktueller Planung zum 1.1.2009 (!)

Betrifft: Alle Versicherer und Versicherungsgruppen im Rahmen des Grundsatzes der Proportionalität (s.u.)

Was verändert sich: Anforderungen an das qualitative Risikomanagement werden deutlicher definiert.

Was bleibt gleich: Einige Anforderungen sind schon durch KonTraG und VAG längere Zeit bekannt und implementiert.

Verwandte Themen: KonTraG, VAG (insbesondere §64a)

Einführung

Über die MaRisk (VA) wurde in den letzten Monaten sehr viel geschrieben, in fast jedem Heft der Versicherungswirtschaft findet sich z.B. aktuell ein Artikel zum MaRisk. Dieser Artikel soll kurz und knapp eine Basis schaffen.

In §64a des VAG (in Kraft getreten durch die VAg Novelle vom 1.1.2008) umreisst die Aufsicht sehr grobe Anforderungen an das Risikomanagement. Mit den MaRisk (VA) will die Bafin nun die abstrakten Forderungen mit konkreteren Richtlinien unterlegen.

MaRisk stellt dabei einen großen Teil der Säule II (qualitative Aufsicht) des Projektes Solvency II dar. Da das Projekt Solvency II jedoch im Moment noch im Fluß ist, stößt das deutsche Vorpreschen nicht überall bei unseren Europäischen Nachbarn auf Wohlwollen. Es ist damit zu rechnen, dass die MaRisk (VA) nach Inkrafttreten noch Änderungen erfahren werden.

Prinzipienbasierte Aufsicht

Unter der Formel der Prinzipienbasierten Aufsicht versteht die Bafin den Ansatz, die Aufsichtsregeln nur als Prinzipen vorzugeben und nicht fest definierte Anforderungen zu diktieren. Auf der einen Seite macht dies die Aufsicht flexibler, sie kann so auf verschiedene Situationen bzgl. Größe und Geschäftsmodell eingehen, wovon die betroffenen Versicherer sicherlich profitieren. Auf der anderen Seite müssen die Versicherer nun in Vorleistung gehen, die Richtlinien der MaRisk (VA) interpretieren und auf das Feedback der BaFin warten. Bei der Anhörung in Bonn im Juni 2008 war daher von Seiten der Bafin auch oft (sinngemäß) ein „Machen Sie mal, wir schauen uns dann an, wie Sie das umgesetzt haben“ zu hören.

Grundsatz der Proportionalität

Die MaRisk betreffen alle Versicherer, Pensionsfonds, Versicherungsholdings, Versicherungsgruppen und gemischte Finanzholding-Unternehmen im Sinne des §104q VAG, jedoch im Rahmen des Grundsatzes der Proportionalität. Zwar sind alle Anforderungen von allen Unternehmen zu erfüllen, der Umfang soll sich jedoch richten nach

  • unternehmensindividuellen Risiken
  • Art und Umfang des Geschäftsbetriebs
  • Komplexität des Geschäftsmodells

Hierbei liegt die Beweislast beim Unternehmen selbst.

Risikodefinition

Zu Anfang definiert das Rundschreiben Risiko als „… die Möglichkeit des Nichterreichens eines explizit formulierten oder sich implizit ergebenden Zieles … „. Als wesentlich gelten hierbei solche Risiken, die “ … sich nachhaltig negativ auf die Wirtschafts-, Finanz oder Ertragslage des Unternehmens auswirken können … „. Die Autorität, ein Risiko als wesentlich zu erachten verbleibt bei der Unternehmensleitung.

Desweiteren werden Risikokategorien definiert:

  • Versicherungstechnisches Risiko
  • Marktrisiko
  • Kreditrisiko
  • Operationales Risiko
  • Liquiditätsrisiko
  • Konzentrationsrisiko
  • Strategisches Risiko
  • Reputationsrisiko

Diese Risikokategorien sind im Rahmen des unternehmerischen Risikomanagements zu betrachten. Der Abdeckungsgrad in der Versicherungswirtschaft ist dabei stark unterschiedlich. Natürlich ist davon auszugehen, dass das qualitative Management der versicherungstechnischen Risiken bereits vorhanden ist und für die MaRisk-Inspektoren nur dokumentiert werden muss. Schaut man sich dagegen Kategorien wie Operationales Risiko, Reputatinsrisiko oder selbst Liquiditätsrisiko an, so wird klar, dass hier einige neue Initiativen in den Unternehmen nötig werden könnten.

Elemente eines angemessenen Risikomanagements

Unter dieser Überschrift werden nun die einzelnen Anforderungen des §64a VAG detaillierter beschrieben.

  • Risikostrategie
  • Organisatorische Rahmenbedingungen
    • Aufbauorganisation
    • Ablauforganisation
      • Neue Geschäftsfelder, Kapitalmarktprodukte, Versicherungsprodukte, Rückversicherungsprodukte
      • Resourcen und Betriebliche Anreizsysteme
      • Organisationsentwicklung
      • Interne Kontrollen
  • Internes Steuerungs- und Kontrollsystem
    • Risikotragfähigkeitskonzept und Limitierung
    • Risikokontrollprozess
    • Unternehmensinterne Kommunikation und Risikokultur
    • Risikoberichterstattung
  • Interne Revision
  • Funktionsausgliederung
  • Notfallplanung
  • Information und Dokumentation

Hier wird der Mehrwert der MaRisk (VA) deutlich. Während §64a VAG abstrakt „eine interne Revision, die die gesamte Geschäftsorganisation des Unternehmens überprüft“ fordert, wird in den MaRisk detailliert aufgeführt, wodurch die Interne Revision sich auszeichnet, welche Verantwortlichkeiten erfüllt werden müssen und welche Rahmenparameter (z.B. Funktionstrennung) eingehalten werden müssen.

Zusätzlich wird in den MaRsik (VA) definiert, wie bei der Ausgliederung einzelner Funktionen vorzugehen ist, was besonders für kleine Versicherer von großem Wert sein sollte.

Würdigung aus Sicht der integrierten Versicherungssteuerung

Aus einer integrierten Sicht sind die definierten Risikokategorien in den MaRisk (VA) zu betrachten. Diese sollten mit den Risikokategorien im Rechnungswesen (siehe BilMoG) harmonieren, ausserdem natürlich Rückstandsfrei auf die Risikokategorien des Risikomodells (intern oder Standard-) zuzuordnen sein.

Bei neuen Risikokategorien im Sinne von bisher wenig betrachteten Risiken sollten die Projekte nicht nur mit Blick auf eine Befriedigung der MaRisk-Anforderungen durchgeführt werden sondern in das Gesamtprogramm hin zu einer integrierten Steuerung eingefügt werden, um den höchstmöglichen Koordinationsgrad zu erreichen und Doppelarbeit zu vermeiden. Dies gilt natürlich generell für alle Aktivitäten im Bereich Dokumentation, Organisationsentwicklung, Prozessverbesserung, IT und Risikomanagement.

Quellen und Verweise

Bildquelle: Fotolia.de, mipan

Autoren

Holger Heinze ist

Berater bei Cassini Consulting

in Frankfurt.

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